Gut leben mit Hochbegabung!

 

21. August 2019

Juniorstudium / Frühstudium /Schülerstudium

Bundesweit bieten mehr als 60 Universitäten interessierten und begabten Schülern die Möglichkeit, neben der Schule zu studieren. Noch während der Schulzeit können die Schüler an regulären Vorlesungen teilnehmen und Prüfungen ablegen, die in einem späteren Studium angerechnet werden können.

• Eine Übersicht über teilnehmende Universitäten und Hochschulen findet sich bei Deutsche Telekom Stiftung (2011, 52ff) und bei Stiftung zur Förderung der Hochschulrektorenkonferenz (o.J.).

• An der Universität Rostock (2019) können Schüler online studieren.

• Auch die FernUniversität in Hagen (2019) bietet ein Schülerstudium an.

Literatur:

Deutsche Telekom Stiftung (Hrsg.) (2011). Frühstudium: Ein Vorhaben der Deutsche Telekom Stiftung zur Förderung von exzellentem MINT-Nachwuchs. Abgerufen von https://www.telekom-stiftung.de/sites/default/files/buch_fruehstudium.pdf

FernUniversität in Hagen (2019). Schülerstudium. Abgerufen von https://fernuni-hagen.de/studium/fernuni_fuer_alle/schuelerstudium.shtml

Stiftung zur Förderung der Hochschulrektorenkonferenz (o.J.). Schülerstudium: parallel zur Schule studieren. Abgerufen von https://www.hochschulkompass.de/studium/hilfe-bei-der-studienwahl/studieren-auf-probe/schuelerstudium.html

Universität Rostock (2019). Juniorstudium. Abgerufen von https://www.uni-rostock.de/studium/studienorientierung/juniorstudium/

26. März 2019

Jugendliche Underachiever

Viele von Euch kennen das Phänomen des Underachievements: die erwartungswidrigen Schulleistungen Eurer Kids, die weit unter dem liegen, was man aufgrund ihrer hohen Intelligenz erwarten würde.

Wie kann man gut und hilfreich mit dieser Situation umgehen? Ich beschreibe hier sechs Punkte, an denen Ihr ansetzen könnt. In meiner Beratungspraxis hat sich folgende Reihenfolge für viele Familie als zielführend erwiesen:


1. Stärkung des Familienlebens durch gelingende Kommunikation

Die Familie ist der Ort, für den Ihr verantwortlich seid. In der Familie habt Ihr die größten Einflussmöglichkeiten. Deshalb mein Tipp: startet hier!

Macht es Euch gemütlich: als Familie mit Euren Kindern, mit Eurem Partner und auch durchaus mal allein. Als Anregung könnt Ihr von mir kostenlos den Impuls „Nichts geht mehr: oder Zeit für Tiefkühlpizza“ bestellen.

Wichtig für ein positives Familienleben ist auch eine gelingende Kommunikation. Wie Ihr hilfreich reagieren könnt, wenn Euer Kind ein Problem hat, erfahrt Ihr hier.


2. Treffen mit Gleichgesinnten (als Familie, als Eltern, nur die Jugendlichen)

Es tut gut, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Das fängt bei dem Gefühl an, dass es anderen Menschen genauso ergeht, dass sie ähnliche Gefühle und Probleme haben und den Eindruck des „Andersseins“ kennen. Wie vielen Eltern, Familien und Jugendlichen hat es schon geholfen, mal das Gefühl zu haben, „passend zu sein“, Menschen zu treffen, die ähnlich wie sie selbst ticken!

Deutschlandweit bieten die verschiedenen Regionalvereine der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind e.V. und Mensa in Deutschland e.V. Treffen für Hochbegabte an. Ebenso gibt es lokale Hochbegabtenvereinigungen und -gruppen (Suche z.B. im Begabungslotsen).


3. Außerschulische Begabungsförderung in Familie und Freizeit

Bei der außerschulischen Begabungsförderung habt Ihr eine deutlich größere Einflussmöglichkeit als bei der schulischen Begabungsförderung.

In diesem Zusammenhang sind mir einige Hinweise sehr wichtig:

  • Möglicherweise interessieren sich Eure Kinder nicht (sonderlich) für die Bereiche, für die sie eine besondere Begabung haben.
  • Auch hochbegabte Jugendliche wollen manchmal einfach nur ausruhen und chillen.
  • In der Beratung hatte ich schon öfter den Fall von verzweifelten Müttern und Vätern hochbegabter Kinder und Jugendlicher, die die Situation ihres Nachwuchses nur sehr schlecht ertrugen. Im Gespräch zeigte sich dann in vielen Fällen, dass die Eltern selbst als Kinder und Jugendliche nicht mit ihrer Hochbegabung wahrgenommen wurden und sich für sich selbst eine viel stärkere Förderung ihrer Begabungen gewünscht hätten. Für ihre eigenen Kinder hatten sie sich fest vorgenommen, alles in ihrer Macht Stehende zur Begabungsförderung zu tun. Und dann stellte sich heraus, dass ihr Nachwuchs ganz andere Wünsche, Interessen und Bedürfnisse hatte als sie als gut meinende Eltern! (Dieses Phänomen kenne ich übrigens auch von mir persönlich 😊).

Wer gerne weitere Tipps und Anregungen zu den verschiedenen Bereichen der Begabungsförderung in Freizeit, Hobby und Familie hat, fordert sie unverbindlich hier an.


4. Schulische Begabungsförderung

Sich auf die Suche nach individuell passenden Möglichkeiten der schulischen Begabungsförderung zu machen, bietet sich insbesondere an den Übergängen und Schnittstellen an, die sowieso vom (Schul-)System vorgegeben sind:

  • der Schulwechsel zur weiterführenden Schule nach der 4. Grundschulklasse (in Berlin und Brandenburg nach der sechsjährigen Grundschule). Tipps und Anregungen dazu gibt es in diesem E-Buch: Kriterien für den Wechsel zur weiterführenden Schule (Brausewetters Begabungsförderung 2)
  • die Fortsetzung der (Schul-)Ausbildung nach der 9. oder 10. Klasse (selbst für Gymnasiasten mit dem Abschlussziel Abitur gibt es verschiedene Möglichkeiten). Nachzulesen sind meine Tipps und Anregungen hier:

Auch im schulischen Kontext gilt:

  • Möglicherweise interessieren sich Eure Kinder nicht (sonderlich) für die Bereiche, für die sie eine besondere Begabung haben.
  • Auch hochbegabte Jugendliche wollen nicht alle (immer) Spitzenleistungen erbringen (selbst wenn sie es könnten).
  • Wahrscheinlich gibt es die „ideale“ Schule für Euer hochbegabtes Kind nicht.
  • Wenn Ihr für Euch als Eltern gerne das Abitur erreicht hättet und gerne ein Studium absolviert hättet, muss das für Euer Kind trotzdem nicht unbedingt das Richtige sein!


5. Übernahme von Eigenverantwortung durch die Jugendlichen

Das Ziel von Euch als Eltern bei der Erziehung und Begleitung Eurer Kinder durch Kindheit und Jugend ist ja, dass sie zu selbständigen und reifen Erwachsenen werden und die Verantwortung für ihr Leben selber sinnvoll übernehmen.

Diese Verantwortungsübernahme muss regelmäßig in den Bereichen trainiert werden, in denen die Jugendlichen dazu schon fähig sind. Gerade wenn es um das Thema Interessenausübung und Begabungsförderung in Schule, Freizeit und Familie geht, ist es sehr sinnvoll, die Jugendlichen sukzessive mitentscheiden zu lassen.

Besonders für Jugendliche, die sich im Underachievement befinden (also als Minderleister geringere Leistungen erbringen, als ihrer Intelligenz nach zu erwarten wäre) hat sich eine Beschäftigung mit der eigenen Zukunft, mit den eigenen Wünschen, Träumen und zukünftigen Perspektiven bewährt. Dazu biete ich ab Klasse 8 eine Berufs- und Zukunftsorientierung an, die sich speziell an begabte Jugendliche wendet.


6. Befriedigung Eurer eigenen Bedürfnisse und Eurer eigenen Interessen und Begabungen als Eltern

Im Laufe der Jahre werden unsere Kinder immer reifer und damit auch unabhängiger von uns. Einerseits ist das natürlich schön (und als sie kleiner waren, haben wir uns genau das auch oft gewünscht). Andererseits hinterlässt es auch eine gewisse Leere. Dies ist genau der richtige Zeitpunkt, dass Ihr Euch wieder vermehrt um Euch, Eure Bedürfnisse, Interessen und Ideen kümmert.

Hierfür gibt es gute Gründe:

  • Wenn es Euch gut geht, könnt Ihr Euch auch besser um andere kümmern. Gerade im Chaos rund um Pubertät und Hochbegabung braucht man starke Nerven!
  • Wenn Ihr Euch gut um Euch kümmert, könnt Ihr die Entscheidungen Eurer Kinder besser mittragen. Ihr schafft es so eher, ihnen Verantwortung zu übertragen für Bereiche, für die sie schon Verantwortung übernehmen können.
  • Und gerade unter dem Aspekt der Begabungsförderung ist Euer positives Beispiel ganz wichtig: wenn Ihr Euren Interessen, Neigungen und Begabungen nachgeht und dafür einiges tut und auf Euch nehmt, ist das das beste Mittel (nämlich die Vorbildwirkung) für Eure Kids!

Lasst Euch versichert sein, es gibt Wege raus aus dem Chaos und raus aus dem Underachievement: genau wie hier beschrieben, haben wir den Weg als Familie auch mit unseren hochbegabten Kindern gefunden.

Lasst es Euch gut gehen!

Eure Kerstin



Meine (berufliche) Zukunft Ein Arbeitsbuch für junge Menschen
Berufswege für hochbegabte und leistungsstarke junge Menschen - mit Hinweis auf besondere Angebote in Studium und Ausbildung
E-Book Jugendliche.pdf (698.34KB)
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Berufswege für hochbegabte Underachiever
Berufswege für Hochbegabte jenseits von Abi und Studium - auch für begabte Underachiever- Ein Arbeitsbuch für junge Menschen
E-Book Berufswege für hochbegabte Underachiever.pdf (802.81KB)
Berufswege für hochbegabte Underachiever
Berufswege für Hochbegabte jenseits von Abi und Studium - auch für begabte Underachiever- Ein Arbeitsbuch für junge Menschen
E-Book Berufswege für hochbegabte Underachiever.pdf (802.81KB)

16. September 2018

Wie komme ich als begabter Jugendlicher an ein Stipendium?

Begabtenförderung kostet oft (viel) Geld! Das bringt Eltern oft an ihre (finanziellen) Grenzen. Daher ist es gut zu wissen, dass es Stipendien bereits für begabte Schüler gibt!

Hier folgt eine Übersicht über weitere Informationsquellen für Stipendien für Schüler:

  1. zur Stipendiensuche: https://www.bildung-und-begabung.de/begabungslotse/talent-abc/stipendium/stipendiensuche?sourceabc=10393
  2. über finanzielle Förderangebote: https://www.bildung-und-begabung.de/begabungslotse/datenbank/finanzielle-foerderung
  • Das Reemtsma Begabtenförderungswerk unterstützt begabte Schüler und Studenten, deren Familien ein Studium nicht oder nur teilweise unterstützen können, durch ein Stipendium.
    Bewerben können sich Schüler der Oberstufe (11. und 12. Klasse, auch Juniorstudenten) und Studenten einer deutschen Fachhochschule oder Universität (ab dem 1. Fachsemester, alle Fachrichtungen). https://reemtsma-stipendium.de/
  • Die KURT-ALTEN-STIFTUNG fördert begabte junge Niedersachsen im Alter von 12 bis 30 Jahren. Nähere Infos und Bewerbung unter https://kurt-alten-stiftung.de/elite-foerderung/bewerbung-antrag/

Falls Sie noch weitere Stipendien kennen, die sich an begabte Jugendliche und junge Menschen (auch im künstlerischen, sportlichen oder musischen Bereich) wenden, schicken Sie mir bitte eine Mail mit den Informationen: gerne nehme ich Ihre Hinweise hier in diese Übersicht auf!

Studenten im künstlerischen Bereich:

Angehende Studentinnen im MINT-Bereich:

Mein Video zum Thema "Wie komme ich als begabter Jugendlicher an ein Stipendium?" mit vielen Hintergrundinformationen und meinen persönlichen Tipps und Erfahrungen!

5. Juli 2018

Das Zeugnis feiern, auch wenn es "schlecht" ausgefallen ist? Ja!!!

Jetzt ist die Zeit der Sommerferien. Und vorher gibt es noch Zeugnisse: für manche ein Schrecken, für andere ein Anlass zum Jubeln. Aber egal, wie das Zeugnis ausgefallen ist, hier meine Tipps zum Umgang damit:

1. Feiern!

Wie: 

Das könnt Ihr nach dem Geschmack und Budget Eurer Familie aussuchen. Es kann z.B. ein spannender (Fahrrad-)Ausflug, ein Schwimmbad- oder Kinobesuch sein. Bei uns hat sich Essengehen zum Zeugnis etabliert. Als wir noch zwei Schüler in der Familie hatten (der Älteste ist jetzt Student), hat der eine zum Halbjahr und der andere zum Schuljahresende entschieden, wohin es gehen sollte (und es wurde darauf geachtet, dass für jedes Familienmitglied etwas Leckeres dabei war).

Warum:

Wenn das Zeugnis "gut" ausgefallen ist, erübrigt sich die Erklärung. Aber auch bei einem "schlechten" Zeugnis haben Kind (und Eltern) das Schuljahr hinter sich gebracht. Sie haben aus meiner Sicht damit etwas "geleistet". Sie hoffen wahrscheinlich auf ein "erfolgreicheres" und "entspannteres" neues Schuljahr. Wenn man selbst entspannt, ruhig und erholt an die Dinge herangeht, wird es meist auch von außen "entspannter". Und manchmal auch auf der Leistungsebene "erfolgreicher".

Aber egal, wie das Zeugnis ausfiel: aus meiner Sicht ist ein abgeschlossenes Schuljahr ein Grund zum Feiern!.

2. "Erfolge" sammeln!

Wie:

Unsere Kinder sind nicht nur Schüler. Sie haben auch Freizeitbeschäftigungen, Hobbys, Ideen und Interessen. Ich weiß, ich weiß, manche Eltern von Teenagern würde diese Aussage bezogen auf ihren Jugendlichen zu Hause absolut verneinen (und ich weiß, wovon Ihr sprecht). Bei genauem (und liebevollen) Hinschauen findet sich allerdings doch meistens etwas.

Kauft einen schönen Aktenordner (oder Stehsammelordner) und lasst Euer Kind aussuchen. Darin sammelt Ihr zusammen alle "Erfolge" Eures Kindes. Es kann sich um die Zielscheibe beim Luftgewehrschießen handeln, um den Mitschnitt vom Hip-Hop-Auftritt, etc. Was auch immer die "Erfolge" Eures Kindes sind: Lasst Eure Kinder mitentscheiden! 

Warum:

  • Zunächst einmal ganz pragmatische Gründe: bei Bewerbungen (z.B. für ein Schülerpraktikum) interessieren sich Unternehmen immer mehr auch für die außerschulischen Aktivitäten und Interessen der Bewerber. Da ist es gut, wenn man diese belegen kann (und hier kommen dann die gesammelten "Erfolge" zum Einsatz).
  • Wahrscheinlich noch wichtiger im Eltern-Kind-Verhältnis ist der positive Blick der Eltern auf die "Erfolge" des Nachwuchses. Und dann fühlt es sich für die Kids selber gut an, dass sie etwas "gut" können, dass sie "Erfolge" haben und diese dokumentiert sind. Bei uns in der Familie haben wir die Sommerferien nach der 8. Klasse genutzt, um zusammen den Lebenslauf zu erstellen (der wichtig war für die dann folgende Bewerbung für das Sozialpraktikum in der 9. Klasse). Bei der Erstellung kamen auch die gesammelten "Erfolge" zum Einsatz. Und der fertige Lebenslauf war dann sehr förderlich für das jugendliche Selbstwertgefühl (und den mütterlichen Stolz)!

Ich wünsche Euch ein schönes "Zeugnisfest"!

Eure Kerstin